Berufsperspektiven in der Justiz

Berufsperspektiven in der Justiz
Zweimal im Jahr findet das JuRiStA Seminar des DRB statt. Hier können sich junge Richterinnen und Richter über die vielen Möglichkeiten, die die Justiz abgesehen von der klassischen Rechtsprechungstätigkeit bietet, informieren und untereinander austauschen.
35 Jahre am selben Gericht? Für manche ein Wunsch, für viele Realität – für uns jedoch kaum vorstellbar. So fanden wir drei uns am letzten Mai-Wochenende beim JuRiStA-Seminar wieder.
Da wir teils noch nicht lange, teils noch gar nicht auf Lebenszeit ernannt waren, wollten wir ausloten, welche beruflichen Möglichkeiten die Justiz neben dem klassischen Gerichtsbetrieb bereithält. Langeweile ist in unseren bisherigen Stationen zwar noch nicht aufgekommen, aber bekanntlich schadet es nicht, frühzeitig den Blick über den Tellerrand zu wagen.
Durch eine E-Mail des Deutschen Richterbunds auf das Seminar aufmerksam geworden, gehörten wir zu den drei Teilnehmenden aus Berlin, die einen Seminarplatz erhielten. Los ging es am Freitag um 16 Uhr. Nach einer Begrüßungsrunde in den Räumen des Deutschen Richterbunds führte das Programm direkt ins Bundesministerium der Justiz. Dort erwartete uns nicht nur eine interessante Führung, sondern auch zwei aufschlussreiche Vorträge über Abordnungsmöglichkeiten an das Bundesjustizministerium und an den Bundesgerichtshof.
Den warmen Frühlingsabend ließen wir schließlich bei Snacks und kühlen Getränken auf der Terrasse des Deutschen Richterbunds ausklingen. Dabei bot sich reichlich Gelegenheit zum Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Der Samstag begann um 9 Uhr und endete mit einem gemeinsamen Abendessen in lockerer Atmosphäre in der Arminiusmarkthalle in Moabit. Im Laufe des Tages hörten wir spannende Vorträge und Erfahrungsberichte zu Abordnungsmöglichkeiten an das Bundesverfassungsgericht, zum Generalbundesanwalt sowie über Möglichkeiten einer internationalen Tätigkeit (etwa bei der EU oder Friedensmissionen). Neben den Einblicken in die jeweiligen Tätigkeitsfelder nahmen wir vor allem eines mit: Wer abgeordnet wird – nicht nur nach Karlsruhe –, findet dort neben juristisch anspruchsvollen Aufgaben auch vielfältige Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung, sei es bei Studienfahrten, Kegel- oder Jogginggruppen.
Für uns war das Seminar, das schließlich am Sonntagmittag nach weiteren Vorträgen endete, eine ausgesprochen motivierende Veranstaltung. Es hat Hemmschwellen abgebaut und gezeigt, dass berufliche Perspektiven außerhalb des eigenen Dienstalltags keineswegs unerreichbar sind. Neben den neuen Erkenntnissen zu den Abordnungsmöglichkeiten, die in Zukunft relevant werden könnten, konnten wir auch einiges für unsere aktuelle Tätigkeit mitnehmen. Ein Vortrag machte das Beurteilungssystem transparenter; ein weiterer Vortrag regte zur berufsethischen Reflexion an; ein dritter Vortrag zeigte, an wen wir uns bei internationalen Sachverhalten wenden können. Zudem waren die Gespräche mit Richterinnen, Richtern, Staatsanwältinnen und Staatsanwälten aus
den anderen Bundesländern bereichernd.
Wir können die Veranstaltung uneingeschränkt empfehlen – unabhängig davon, ob das eigene Interesse eher dem Strafrecht, dem Zivilrecht oder einem anderen Bereich der ordentlichen Gerichtsbarkeit gilt.
Tanja Pflugradt (AG Mitte), Linda Krejci (derzeit LG Berlin I), Marten Gerjets (derzeit VG)