In der 6. Auflage erscheint ein für alle Juristinnen und Juristen ganz besonders Buch:

In der 6. Auflage erscheint ein für alle Juristinnen und Juristen ganz besonders Buch:
Die Tatsachenfeststellung ist Voraussetzung einer zutreffenden Rechtsanwendung und wirft insbesondere bei der Würdigung des Zeugenbeweises, aber auch bei der Anhörung der Parteien die Frage auf, wie Aussagen zu bewerten sind. Die Verfasser verweisen völlig zu Recht auf eine Vielzahl von in der Praxis tagtäglich zu bewältigenden Situationen: „Die Richterin, die im verwaltungsgerichtlichen Verfahren die Flüchtlingseigenschaft zu beurteilen hat, die Anwältin, die dem Mandanten je nach Erfolgsaussicht zur Klage oder von ihr abrät, der Staatsanwalt, der nach Ausschöpfung aller Erkenntnismittel den für die Anklageerhebung hinreichenden Tatverdacht bejaht oder verneint, die Entscheiderin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, die über die Gewährung von Asyl befindet“. Das Werk widmet sich zunächst dem Irrtum als dem am häufigsten anzutreffenden Fehler einer Aussage und erläutert in diesem Zusammenhang auch die neuesten Erkenntnisse der wissenschaftlichen Wahrnehmungs- und Gedächtnisforschung. Nachfolgend wird der Aspekt der Lüge beleuchtet, wobei die Prinzipien und Kontrollkriterien für die Aussagebewertung dargestellt werden. Die zusammenfassenden Ausführungen zu den Arten der Beweise und dem Beweismaß legen kurz und prägnant die Prinzipien des Indizienbeweises dar. Die komprimierte Darstellung der Grundlagen der Wahrscheinlichkeitstheorie sind zwar herausfordernd, aber sehr gut nachvollziehbar. Die konzise Darstellung der Grundsätze der Vernehmungslehre im Allgemeinen unter Berücksichtigung auch interkultureller Vernehmungen überzeugt, wobei für den Bereich des Strafverfahrens noch ein besonderes Kapitel eingefügt ist, das sich mit Sonderfragen (Vernehmung des Beschuldigten, Personenidentifizierung, Vernehmung durch Polizeibeamte, anonyme Zeugen und „Opferzeugen“) befasst. Abgeschlossen werden die Ausführungen durch umfangreiche Vorschläge zu Fragen der Protokollierung von Aussagen. Die neue Auflage enthält dabei auch kritische Anmerkungen zu der mittlerweile in vielen Prozessordnungen zulässigen Vernehmung unter Einsatz von Bild-Ton-Übertragung, die unter Berücksichtigung der zuvor dargelegten Erkenntnisse bedenkenswert erscheint. Fazit: dieses Werk enthält – wie schon seine Vorauflagen – unverzichtbares und überaus nützliches Wissen im Hinblick auf die Bewertung von Aussagen. Ein MUSS für Alle, die mit der Tatsachenfeststellung befasst sind!
Katrin-Elena Schönberg
